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26.10.2006 | Lokales - Bildung
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Ausbildungsplatzbörse: "Herford bildet aus"

„Herford bildet aus“ lautet das Motto der Ausbildungsplatzbörse im Herforder Güterbahnhof. Ausgerichtet wird das großartige Event von der Stadt Herford. Was für Ausbildungsplatzsuchende so verlockend klingt, ist in Wahrheit nichts anderes als eine Werbeveranstaltung der teilnehmenden Unternehmen und vor allem der Versuch der Beteiligten über die katastrophale Ausbildungsplatzsituation hinwegzutäuschen. Den Besuchern soll der Eindruck einer vermeintlich freien Berufsauswahl vorgegaukelt werden.

Die schöne bunte Welt der gepriesenen „Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten“ sieht in der Realität ganz anders aus:
Im Kreis Herford fallen auf 5.078 BewerberInnen lediglich 2.243 Ausbildungsplätze. 100 Ausbildungsplatzsuchenden stehen damit gerade einmal 44 Lehrstellen gegenüber. Freie Berufsauswahl existiert faktisch nicht.
Diejenigen SchulabgängerInnen und AltbewerberInnen ohne betriebliche Ausbildungsstelle wurden zu Hunderten in die sogenannten Warteschleifmaßnahmen z.B. berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Einstiegsqualifikationen, Praktika oder 1-Euro-Jobs abgeschoben oder aber in schulische Ausbildungsgänge gesteckt. Ohne entsprechende Vergütung versteht sich. Auf diese Art und Weise fallen Hunderte von Ausbildungsplatzsuchenden aus der Statistik heraus und werden für versorgt erklärt. Das Problem aber bleibt: Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil! Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Kreis Herford/ Minden Lübbecke ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um satte 21,7 Prozent gesunken.
Allen Zahlen und Fakten zum Trotz beharrt die Bundesregierung auf ihrem Ausbildungspakt und feiert ihn sogar als Erfolg. Kein Wunder, so erspart doch der Ausbildungspakt den Unternehmen die Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Anstatt endlich diese Abgabe einzuführen und die Unternehmen zu mehr Ausbildungsplätzen zu verpflichten, werden die Ursachen der Lehrstellenkatastrophe versucht klein zu reden oder aber auf die angeblich mangelnde Ausbildungsfähigkeit, Intelligenz der BewerberInnen zurückgeführt.
Doch damit nicht genug: Die Leidtragenden der Ausbildungsplatzkatastrophe werden als Traumtänzer dargestellt, die sich auf ihre Wunschstelle versteifen würden. Dabei ist es den meisten Jugendlichen mittlerweile relativ egal, was für eine Lehrstelle sie erhalten, soweit sie überhaupt eine bekämen. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Zahl der unbesetzten Stellen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 52,9 Prozent auf 33 Lehrstellen zurückgegangen ist.

Dass ausgerechnet die Stadt Herford die „Ausbildungsplatzbörse“ initiiert hat, ist umso grotesker, als gerade die Stadt Herford, unter Verweis auf die Kosten, sich als einer der ersten mit Vehemenz gegen die Ausbildungsplatzabgabe wehrte. Da sind Millionenobjekte wie das 30 Millionen Euro teure MARTa-Museum oder das Elsbach-Areal (20 Mio. Euro) viel wichtiger. Ähnlichen Vorrang haben andere Prestigeprojekte wie z.B. die Wallsanierung oder die Umgestaltung des Linnenbauerplatzes. Zum Vergleich: Allein aus den Zuschüssen zur Finanzierung der Betriebskosten des MARTa-Museums in Höhe von 2,5 Millionen Euro könnten jedes Jahr min. 250 Ausbildungsplätze finanziert werden. Aber Spaß beiseite: Von einer Stadtverwaltung, die arbeitslose Jugendliche als 1-Euro-Kräfte in der Verwaltung, in Schulen, im MARTa oder als Müllsammler als Billigkräfte arbeiten lässt, kann mensch auch nicht erwarten, dass sie im Interesse der arbeitslosen Jugendlichen Lehrstellen schafft.

Es hilft alles nichts. Jugendliche haben – trotz großer Politikerworte – keine Interessenvertretung und nur eine bescheidene Zukunft. Die Profite der Unternehmen liegen der Politik eben mehr am Herzen. Wir müssen unsere Interessen selbst vertreten und unseren Forderungen durch einen breiten öffentlichen Protest Ausdruck verleihen.


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